Von der Messzahl zur Beurteilung der Performance: Ansatz eines Konzepts zur Beurteilung der Anwendungs-Performance

Im dritten Beitrag der Reihe zu meiner Bachelorarbeit „Definition und Umsetzung von Service-Level-Metriken für die Applikations-Performance aus Endanwendersicht“ werde ich nun konkret auf einige zentrale Aspekte bei der Performance-Bewertung eingehen.

Im dritten Beitrag der Reihe zu meiner Bachelorarbeit „Definition und Umsetzung von Service-Level-Metriken für die Applikations-Performance aus Endanwendersicht“ werde ich nun konkret auf einige zentrale Aspekte bei der Performance-Bewertung eingehen.

Damit wird auch ein logischer nächster Schritt von einer rein theoretischen Betrachtung und Definition der Begriffe Kennzahlen und Metriken hin zu einem in der Praxis umsetzbaren Konzept zur Beurteilung der Anwendungs-Performance vollzogen.

Verfügbarkeit, optische Vollständigkeit und Geschwindigkeitsindex als zentrale Aspekte der Performance-Bewertung

Betrachtet man die Bewertung der Anwendungsperformance aus Anwendersicht, so spielen die Kennzahlen „Verfügbarkeit“ und „Antwortzeit“ in teilweise verschiedenen Ausprägungen eine zentrale Rolle. Aus diesem Grund standen diese  Kennzahlen und Metriken auch im Mittelpunkt meiner Arbeit. Im Rahmen dieses Beitrags möchte ich insbesondere auf die Kennzahlen „Verfügbarkeit“, „optische Vollständigkeit“ und „Geschwindigkeitsindex“ eingehen.

Verfügbarkeit

Die Verfügbarkeit eines IT-Services ist in der Regel die wichtigste Kennzahl, mit der sich die Leistungsfähigkeit einer Applikation bewerten lässt. Dies liegt schon allein daran, dass eine Anwendung dem Nutzer nur während dieser Zeit zur Verfügung steht. Darüber hinaus wirkt sich eine Nichtverfügbarkeit der Applikation auch automatisch negativ auf alle anderen Kennzahlen aus.
Um die Verfügbarkeit einer Anwendung zu bestimmen, wird das sogenannte Approximationsverfahren eingesetzt. Dieses Verfahren versucht, in sechs aufeinanderfolgenden Arbeitsschritten einen Näherungswert für die Verfügbarkeit zu ermitteln. Dazu werden die verfügbaren Rohdaten (unverarbeitete und nicht ausgewertete Daten) sequenziell analysiert und aufgearbeitet, bis der Kennzahl eine qualitativ hochwertige Beweiskraft attestiert werden kann.

Der Service-Provider ist mit diesem Verfahren in der Lage, die Verfügbarkeit von Anwendungen zur Bewertung im SLA unter Berücksichtigung technischer und organisatorischer Aspekte darzustellen.Einzige Einschränkung: Die Perspektive eines einzelnen Endanwenders kann nicht vollumfänglich berücksichtigt werden, denn die Messdaten basieren primär auf synthetischen Transaktionen, die von Applikationsrobotern ausgeführt werden. Allerdings fließen im Rahmen der Approximation Störungsmeldungen zur Nichtverfügbarkeit von Anwendern ein, sodass die Metrik als solide Bewertungsgrundlage für die Applikationsverfügbarkeit verwendet und deshalb auch in den SLAs im Geschäftsbetrieb berücksichtigt werden kann.

Optische Vollständigkeit

Die optische Vollständigkeit (OV) einer Web-Anwendung ist generell ein wichtiger Teilaspekt der Antwortzeit. Aufgrund ihrer hohen Relevanz für den Endanwender habe ich sie in meiner Bachelorarbeit aber als eigene Kennzahl behandelt.

Die optische Vollständigkeit ergibt sich genau dann, wenn der Bereich der Darstellung einer Anwendung im Web-Browser verarbeitet wurde, der im optischen Ausgabegerät des Anwenders komplett angezeigt wird (vgl. nachfolgende Abbildung, weißer Bereich).

 

Geschwindigkeitsindex

Der Geschwindigkeitsindex beschreibt wiederum, wie schnell die einzelnen Elemente einer Webanwendung (Grafiken, Texte, Tabellen etc.) angezeigt werden. In Bezug auf die oben erläuterte optische Vollständigkeit macht es Sinn, auch den Geschwindigkeitsindex nicht auf die vollständig geladene Webseite, sondern eben nur auf den Bereich der optischen Vollständigkeit zu beziehen. Angegeben wird er in der Regel mit einem Prozentsatz (0 % bis 100 %) und einem zeitlichen Parameter (Millisekunden). Letztendlich gibt der Index also an, zu welchem Zeitpunkt wie viel Prozent des für den Benutzer sichtbaren Bereichs dargestellt werden. Der Geschwindigkeitsindex eignet sich darüber hinaus zum Vergleich unterschiedlicher Webseiten, wenn diese beispielsweise über dieselbe optische 
Vollständigkeit verfügen. Eine Webseite mit kleinerem Geschwindigkeitsindex bietet dann nämlich die bessere Benutzererfahrung, denn die Inhalte sind für den Benutzer schneller sichtbar.

Die „Performance-Pyramide“

Meiner Meinung nach bilden die Service-Level-Metriken für die Kennzahlen Verfügbarkeit, optische Vollständigkeit und Geschwindigkeitsindex eine solide Grundlage für die Bewertung der Anwendungsperformance in einem SLA. Die Grundlage bildet dabei die Verfügbarkeit, von der – wie bereits eingangs erwähnt – alle anderen Kennzahlen abhängig sind. Auf diesem Fundament setzt die Antwortzeit in Form der optischen Vollständigkeit und des Geschwindigkeitsindex auf. Dabei verfeinert der Geschwindigkeitsindex die Werte der optischen Vollständigkeit und stellt damit den dritten Baustein der Performance-Bewertung dar.

Soweit der dritte Teil der Beitragsserie zu meiner Bachelorarbeit, in dem ich den Ansatz eines Konzepts zur Beurteilung der Anwendungs-Performance skizziert habe. Im Mittelpunkt des vierten und letzten Beitrags der Reihe stehen das Anforderungsprofil für ein SLM-Tool und die Vorgehensweise bei der Auswahl. Wenn Sie sich mit mir über die Inhalte meiner Arbeit oder das Thema Service Level Management austauschen möchten, erreichen Sie mich unter dominik.hecker(at)amasol.de.

Über Dominik Hecker:

Senior Consultant im Bereich Technology Business Management

Autor:
Dominik Hecker