„Wir sehen jetzt schon viel mehr als früher“

Volkswagen Financial Services (VWFS) ist mit zuletzt 16 849 Beschäftigten und einem Ergebnis vor Steuern von rund 3 Milliarden Euro der einer der führenden automobilen Finanzdienstleister und Mobilitätsanbieter in Europa. Die Automobilbank hat vor einem halben Jahr das Monitoring ihrer Private Cloud (PKS) mit Dynatrace neu aufgesetzt und plant jetzt das neue Monitoring auch auf die Legacy-Systeme auszudehnen. Maik Blecker, Verantwortlich für das Projekt und sein Kollege Patrick Kubiak berichten über die bisher gemachten Erfahrungen.

Wie bei anderen Banken und Finanzdienstleistern betreibt VW FS ein fast komplett digitales Geschäft. Mit dem großen Unterschied, dass jedes Autohaus des VW-Konzerns quasi eine Filiale von VW FS ist. Sie wickeln ihre Finanzierungs- und Leasingangebote über die VW FS ab. Aber auch die Finanzierungsangebote an Privatleute, die sich über die verschiedenen Car-Konfiguratoren ihre Autos zusammenstellen, bekommen Online-Finanzierungsangebote direkt aus Braunschweig Das nur, um zu zeigen, wie groß und wie komplex die Applikationen und Services der VWFS sind. Wenn die nötigen Systeme nicht einem strengen Monitoring unterworfen sind und Ausfälle beziehungsweise Engpässe auftreten, können innerhalb kurzer Zeit Schäden entstehen, die negative Effekte auf den Geschäftsbetrieb haben.

Monitoring in der Private Cloud umgestellt

Vor rund einem Jahr hat VWFS in Abstimmung mit dem VW-Konzern begonnen, das Monitoring ihrer Private Cloud auf das Dynatrace-System umzustellen. „Das alte System“, berichtete Maik Bleker „stieß damals an seine Grenzen, kam nicht wirklich gut mit Cloud-Services und Kubernetes zurecht und der Anbieter bot von unserer Version keinen Migrationspfad auf das modernere Nachfolgesystem an.“ Man hätte also, auch wenn man in der alten Welt geblieben wäre, einen ähnlich hohen Aufwand betreiben müssen, wie bei einem Umstieg auf ein komplett neues System. Das hat dazu geführt, dass noch einmal grundsätzlich über das Monitoring-System nachgedacht wurde. Schließlich entschied man sich für Dynatrace. „Für uns und das Operations Team lagen die Vorteile auf der Hand: Wir benötigen nur noch einen Agenten, der alles abgreifen kann. Außerdem ist der Rollout mit Dynatrace sehr viel schlanker. Darüber hinaus kann Dynatrace auch Logfiles, dafür mussten wir bis dahin ein eigenes Tool einsetzen“, erzählt Blecker einige der Gründe auf, die zu der Entscheidung im Unternehmen geführt haben.

Performance von Kern-Applikation Leasing wird von Dynatrace geprüft

Inzwischen wird eine der Kernanwendungen von VWFS, die Leasing-Applikation, komplett mit Dynatrace gemonitort. Obwohl die Umstellung in erster Linie als Lift and Shift bewerkstelligt wurde, also bisherige Funktionalität im neuen Tool abgebildet wurde, ist Blecker sehr angetan: “Wir sehen jetzt schon sehr viel mehr als früher.“ Dynatrace produziere sehr viel Daten in Echtzeit, die die Überprüfung der Operations sehr viel einfacher und effizienter mache. „Wir haben heute mehr Stabilität“, erklärt der Projektleiter. Er hebt besonders hervor, dass Dynatrace viele einzelne Events zusammenfasst und so nicht jede kleine Abweichung meldet. Erst wenn tatsächlich ein Eingriff notwendig werde, melde das System ein Problem. „Das ist für unsere Leute eine enorme Erleichterung.“

Im Paradigmenwechsel zwischen klassischem ITOps und AIOps

Regelrecht ins Schwärmen geraten die beiden ansonsten sehr nüchtern und rational argumentierenden Monitoring-Spezialisten, wenn es um die AI-Unterstützung des neuen Werkszeugs geht. „Die Root Cause Analysis, mit ihren Vorschlägen zu den Ursachen für Engpässe oder schlimmstenfalls Ausfälle ist eine große Hilfe“, meint Blecker. Sein Kollege Patrick Kubiak ergänzt: „Erstaunlich ist auch, dass wir praktisch keine Akzeptanzprobleme bei den Vorschlägen der AI hatten. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Schlussfolgerung erklärt und nachvollziehbar gemacht wird. Die Leute müssen keiner Blackbox glauben.“ Kubiak sieht VWFS mittendrin im Paradigmenwechsel zwischen klassischem ITOps und AIOps. „Gerade in der Cloud kann man nicht mehr mit statischem Schwellwerten arbeiten. Wir brauchen AI und ML beispielsweise zum Setzen von dynamischen Schwellwerten auf Basis von historischen Daten.“ Für die Zukunft freut sich Kubiak auf mehr übergreifende Integration der verschiedenen Tools, die dann zu einer noch einfacheren Entstörung führen.

Ausrollen auf andere Cloud-Services und auf Legacy-Systeme

Die nächsten Pläne von VWFS in Sachen Monitoring lauten zunächst einmal das Ausrollen von Dynatrace auch für die anderen Applikationen, die auf der PKS-Cloud-Struktur laufen und dann die sukzessive Einbindung von Legacy-Systemen. „Es gibt noch einige Applikationen, die nicht Cloud fähig sind, aber die werden nicht verschwinden. Zurzeit schauen wir uns gerade an, wie wir das Monitoring-Tool auch auf diese Systeme ausrollen können. Da gelten andere Regeln als in der Cloud“, berichtet Blecker.

Blecker und Kubiak sehen sich trotz der Einführung von Dynatrace noch am Anfang der BizOps-Entwicklung. Noch werden die zahlreichen Daten, die Dynatrace in Echtzeit liefert, in erster Linie genutzt, um die riesigen Datenmengen besser beherrschbar zu machen, für insgesamt mehr Stabilität zu sorgen und für eine besseres Operation, Störfälle proaktiv vermeiden und schneller entstören. Dabei spielt natürlich Automatisierung durch AIOps eine wichtige Rolle.

Aber Blecker und Kubiak denken bereits darüber nach, wie sie Logfile-, Klickstream-, Application Security-Analysen und viele andere Funktionen der neuen Monitoring-Lösung auch einsetzen können, damit zum Beispiel Entwickler oder auch Business-Verantwortliche ihre Produkte und Geschäftsprozesse noch weiter optimieren können.