„Wir wollen weniger kontrollieren und mehr unterstützen“

Die WienIT betreibt für die Stadtwerke Wien und ihre Tochterunternehmen Infrastruktur, Applikationen und Services. Das reicht von Netzen und Servern über Back-End-Applikationen in der Cloud und On-Prem bis hin zu echten Spezialanwendungen und Services, die die Endkunden der Töchter über das Web beziehen. Ehrgeiziges Ziel der Wiener: eine einheitliche Monitoring-Plattform für die gesamte IT-, Applikations- und Service-Landschaft der Wiener Stadtwerke.

Die WienIT steckt noch mittendrin im größten Monitoring-Projekt der Geschichte, sieht sich aber auf einem guten Weg. Außerdem sei Dynatrace auf über 1.300 Server der WienIT ausgerollt und habe praktisch out of the box funktioniert. „Bei den Servern lag der Nachbereitungsaufwand bei deutlich unter einem Prozent“, berichtet Monitoring-Projektleiter Georg Grabler.

Monitoring auch für die Cloud und Kubernetes

Zu dem Projekt war es gekommen, weil die WienIT ein neues, modernes Infrastruktur-Monitoring brauchte, das auch mit Services aus der Cloud und mit Kubernetes-Services umgehen kann. „Allerdings haben wir und unsere Kunden sehr schnell gemerkt, dass wir auch für die Services und Applikationen ein Monitoring benötigen, die die WienIT für sie betreibt“, sagt Grabler. Das gilt auch für die Services, die die Endkund*innen der Stadtwerke-Töchter nutzen, zum Beispiel der städtischen Verkehrsbetriebe Wiener Linien, des städtischen Energieversorgers Wien Energie oder der Friedhöfe.

Außergewöhnlicher Projekt-Scope

Das mithilfe von amasol als Implementierungspartner und der Monitoring-Lösung Dynatrace vorangetriebene Projekt ist auch deshalb ehrgeizig, weil es bisher nur wenige Beispiele für eine so umfassende Monitoring-Lösung gibt. Sehr häufig werden in den verschiedenen Bereichen unterschiedliche Tools eingesetzt, die die jeweils Verantwortlichen mit entsprechenden Performance- und Verfügbarkeitsinformationen versorgen. „Aber wir wollten keine zwei oder drei verschiedenen Systeme miteinander integrieren, wir wollten unbedingt eine Plattform und so haben wir das schlussendlich auch ausgeschrieben“, erzählt Grabler.

Eine Standardsoftware kann nicht alles können

Dabei sei man sich durchaus bewusst gewesen, dass eine Standardsoftware wie Dynatrace nicht für jede von den Konzerntöchtern genutzte Spezialapplikation aus dem Stand heraus Performance-Daten liefern könne. Auch im Bereich der Netzinfrastruktur habe man zum Teil erheblich nacharbeiten müssen. „Man merkt schon, woher Dynatrace kommt. Aber die Software ist unserer Ansicht nach die einzige der Monitoring-Lösungen, die wir uns angeschaut haben, die überhaupt eine solche Bandbreite von Infrastruktur bis hin zu Endkunden-Webservices abdecken kann“, erklärt der Projektleiter der WienIT.

Bei der Auswahl der Plattform verfolgt die WienIT vor allem folgende Ziele:

  • Komplette Implementierung der Steuerung der Plattform über API
  • Erweiterung der Überwachungslösung auf Endpunkten mit eigenen Scripts und Metriken
  • Einbindung eigener Softwareprodukte mittels SDK (Java, .NET, NodeJS)
  • Anbindung anderer Systeme (SAP Solution Manager, Prometheus, BMC Remedy, Jira)
  • Integration bzw. regelmäßiger Export von Daten in das Datawarehouse sowie die Big-Data-Plattform der WienIT

Größte Herausforderungen: Organisation und Change-Management

Man stecke noch mitten im Projekt, betont Grabler, bis auf einige Produktschwächen im Umgang mit Spezialanwendungen und Netzwerkinfrastruktur sei die WienIT aber sehr zufrieden mit der Monitoring-Lösung. „Wir sehen sehr viel mehr als früher“, betont Grabler. Er kann sich sogar vorstellen, dass die WienIT das Monitoring auch als Service für Applikationen und Services anbietet, die sie selbst nicht betreibt.

Als die größten Herausforderungen, über die er auch in seinem Vortrag auf dem BizOps Forum sprechen wird, sieht der Projektleiter nicht die Technik, sondern die Organisation und das Change-Management. Das habe nichts mit der Funktionalität des Produkts zu tun, betont Grabler. Aber für ihn und seine Kolleg*innen sei es am Anfang schwierig gewesen, die zahllosen Informationen zu bewerten, die das Dynatrace-System bereitstellt. Was ist wichtig, was kann man laufen lassen? Was ist wichtig für die Technik, was ist wichtig für das Business und die Kund*innen? Man wisse, was passiere, wenn ein Load-Balancer ausfalle, aber „wenn ein Interface nicht funktioniert, an dem verschiedene Applikationen hängen, ist das nicht sofort klar“, beschreibt er die Herausforderung. Ebenfalls als nicht einfach empfindet er die Aufbereitung der Dynatrace-Informationen für die verschiedenen Adressat*innen. Welche Informationen braucht der Product Owner zur Performance eines Routenplaners, den die Wiener Linien ihren Kund*innen anbieten? Wie müssen diese Informationen aufbereitet werden, damit sie verstanden werden? Diese Fragen zu beantworten, habe Zeit gekostet.

Insgesamt, resümiert Grabler, müssen Organisationen wie die WienIT und ihre Kund*innen durchaus auf die neue Art des Monitorings vorbereitet werden. Nur dann können sie es verstehen, wenn sie damit in Berührung kommen und können die Ergebnisse auch nutzen. „Dann begreifen unsere Kunden auch, dass wir weniger kontrollieren, sondern sie in ihrer Arbeit unterstützen wollen.“