BizOps – immer und überall am Business ausgerichtet

Business- oder IT-Perspektive ist nicht mehr die Frage. Das Business kann nur noch mit IT erfolgreich gestaltet werden. Dazu muss aber die IT die Businesssprache verstehen und sprechen.

„Heute spreche ich mindestens einmal pro Woche mit der IT“, erklärte mir kürzlich der CEO eines mittelständischen Unternehmens auf die Frage, wieso er sich so gut mit Analytics und Customer Journeys auskennt. „Bis vor einigen Jahren war das anders, da hat man zwischen Business und IT nur kommuniziert, wenn etwas nicht funktioniert hat oder zu spät kam. Jetzt sitzt die IT genauso selbstverständlich mit am Tisch wie Entwicklung, Vertrieb und Marketing, wenn wir größere neue Vorhaben planen. Die verstehen das Business inzwischen viel besser und wir im Geschäft sind viel stärker auf die IT angewiesen.“

Früher war die IT zu schwerfällig

So viel Lob und Gemeinschaftsgefühl bekommt eine IT immer noch eher selten von der Businessseite entgegengebracht, aber sie hat in den letzten Jahren hart daran gearbeitet, die alte Schlucht zwischen IT und Business zu überbrücken. Diese war entstanden, weil die IT auch aus Mangel an entsprechenden Technologien nicht in der Lage war, die Systeme an die sich relativ schnell ändernden Anforderungen des Business anzupassen. Neue Technologien und Delivery-Modelle wie Cloud, Virtualisierung, Containerisierung oder auch Cloud native und Server-less trugen genauso zum Brückenschlag bei, wie neue Arbeits- und Organisationsweisen zum Beispiel Agile, Continuous Delivery oder Selbstorganisation. Das Zeug, die Lücke komplett zu schließen hat das am Business-Outcome orientierte BizOps-Konzept, das einerseits von einem sehr frühen Schulterschluss zwischen IT und Business lebt, weil es ihn im Betrieb auch tatsächlich realisiert und andererseits am Business orientierte Messgrößen und KPIs für den Betrieb (Operations) sowie eine gemeinsame Sprache zwischen den beiden Bereichen vorsieht. Auf diese Weise entsteht ein sehr effizienter Regelkreis (siehe Abbildung

 

Die vier typischen Schritte für BizOps aus Businesssicht

Die Businessseite ist in der Grafik zwar nicht explizit statt, aber weil BizOps die Elemente der modernen Softwareentwicklung und des Betriebs mit Messgrößen und Fragestellungen aus der Businessperspektive erweitert, spielt sie in allen Stationen des Feedback-Kreislaufs implizit eine große Rolle.

Ein typisches BizOps-Projekt durchläuft deshalb 4 Phasen:

Im Research geht es darum - auch mit Hilfe von Feedback aus den betroffenen Bereichen – eine realistische Einschätzung des zu lösenden Problems zu bekommen. Das beinhaltet nicht nur Gespräche, sondern auch die Analyse interner und externer Vergleichsdaten aus Business-Sicht. Geht es zum Beispiel um die Optimierung des Sales-Systems müssen erst einmal Vergleichsgrößen her. Wie gut ist das eigene Sales-Team gegenüber Mitbewerbern, wie stark verbessern sich Sales-Quantität und Qualität mit der Einführung neuer Systeme? Wie werden die Mitarbeiter gemessen? Pro-Kopf-Umsatz? Beratungsqualität? Zahl der Kunden pro Tag etc.

Im zweiten Schritt Alignment wird eine überzeugende Präsentation auf Basis der gefunden Research-Daten erstellt. Hier muss darauf geachtet werden, dass die Interessen aller beteiligten Teams berücksichtigt und ein Konsens für das weitere Vorgehen gefunden wird. Erst wenn das geklappt hat, kann man an die echte Planung der nötigen Schritte gehen. Execution bedeutet Umsetzung. Die involvierten Teams setzen die geplanten Aufgaben und Schritte um. Das BizOps-Kernteam kümmert sich in dieser Phase um Monitoring und Troubleshooting. bei einigen Aufgaben sollte das BizOps-Team vor der Umsetzung außerdem testen, ob seine Ideen funktionieren.

Der vierte Schritt Performance Management beinhaltet in erster Linie das Tracken und Monitoren von Key Performance Indicators (KPI) und Erfolgsfaktoren. Damit BizOps-Projekte erfolgreich sind, müssen diese aber Business-KPIs sein, die in Beziehung zu den eingesetzten digitalen Services werden. Man kann besagten Pro-Kopf-Umsatz eines Vertriebsmitarbeiters nicht direkt auf das Sales-System herunterbrechen. Aber man kann messen, wie lang ein Mitarbeiter benötigt, um die Kaufhistorie eines Kunden in den letzten 12 Monaten angezeigt zu bekommen; oder wie lange es braucht, die Bestellung eines Kunden zu autorisieren, wie viele Datenpunkte eines Kunden pro Jahr erfasst werden etc.

Und am Ende des Gesprächs sagte der anfangs erwähnte CEO noch diesen bemerkenswerten Satz: „Früher ging IT nicht ohne Geschäft, heute funktioniert kein Geschäft ohne IT. Es hat einige Zeit gedauert, bis wir das verinnerlicht hatten, aber heute handeln wir nach dieser Maxime.“

Quellen:

- https://www.bptrends.com/digital-transformation-bizops-and-business-architecture/
- https://www.rocketblocks.me/guide/bizops/role-overview.php
- https://www.everestgrp.com/2021-02-companies-moving-to-bizops-model-for-optimal-value-in-third-party-services-blog-.html

Christoph Witte arbeitet als Publizist, Sprecher und Berater. 2009 gründete er mit Wittcomm eine Agentur für IT /Publishing/Kommunikation. Dort bündelt er seine Aktivitäten als Autor, Blogger, Sprecher, PR- und Kommunikationsberater. Witte hat zwei Bücher zu strategischen IT-Themen veröffentlicht und schreibt regelmäßig Beiträge für die IT- und Wirtschaftspresse. Davor arbeitete er als Chefredakteur und Herausgeber für die Computerwoche. Außerdem ist Witte Mitbegründer des CIO Magazins, als dessen Herausgeber er bis 2006 ebenfalls fungierte.

Autor:
Christoph Witte