Auf den Punkt gebracht: Observability

Die IT-Branche war noch nie darum verlegen, wenn es darum ging, neue Buzzwords zu generieren. Besonders beliebt sind dabei natürlich Begriffe aus dem Englischen, für die es auf den ersten Blick schwerfällt, eine direkte deutsche Übersetzung zu finden, die verdeutlicht, was damit gemeint ist. Jüngstes Beispiel: Observability.

„Beobachtbarkeit“ in der IT

Gibt man „observability“ in den Google Translator ein, so erhält man die deutsche Übersetzung „Beobachtbarkeit“. Nun ist der Google Translator nicht gerade für seine ausgefeilten Übersetzungen bekannt.  Die Online-Tool DeepL ist da schon etwas auskunftsfreudiger und ergänzt zumindest die deutschen Begriffe „Beobachtungsfähigkeit“ und „Erkennbarkeit“. Fehlt aber noch immer der Bezug zur IT.

Was Observability NICHT ist

Auch wenn immer mehr Anbieter den Begriff für sich entdeckt haben, sei an dieser Stelle bereits klargestellt: Observability ist KEIN Produkt und KEIN Service. Stattdessen kann man den Begriff wohl am besten als Qualitätsanforderung für moderne IT-Anwendungen beschreiben. Womit wir dann auch bei einer deutschen Übersetzung wären, die unserer Meinung im IT-Kontext am besten passt: Überwachungsfähigkeit. Moderne IT-Systeme müssen in der Lage sein, Probleme und Fehler möglichst rasch erkennen und beheben zu können. Genauer gesagt geht es darum, abnormales Verhalten zu erkennen, die präzise Ursache für dieses Verhalten herauszufinden, sie abzustellen und damit zu verhindern, dass dieses abnormale Verhalten in der Zukunft noch einmal auftritt.

Logs + Metrics + Traces = Observability

Beschäftigt man sich derzeit mit dem Thema Observability, so trifft man sehr rasch auf die drei „Eckpfeiler“, die eine Überwachungsfähigkeit eines Systems überhaupt erst möglich machen.

  • Logs sind Aufzeichnungen in strukturierter oder unstrukturierter Textform über Ereignisse, die zu einem bestimmten Zeitpunkt auftraten.
  • Metrics sind aggregierte Messgrößen aus unterschiedlichsten Quellen wie Infrastruktur, Hosts, Services, aber auch Cloud-Plattformen und externe Quellen.
  • Traces sind Aktivitätsnachweise für eine Transaktion oder eine Abfrage bei deren Verarbeitung in Applikationen.

Auch wenn häufig nur von diesen drei Eckpfeilern für Observability die Rede ist, soll an dieser Stelle ein weiterer entscheidender Eckpfeiler ergänzt werden: die User Experience. Sie erweitert die traditionelle Observability-Telemetrie um die Anwenderperspektive beim Einsatz einer Anwendung. In der Regel kommt dabei Real User Monitoring (RUM), aber auch synthetisches Monitoring oder Session Replay zum Einsatz.

Weshalb Observability mehr ist als ein Buzzword

Womit wir beim eingangs erwähnten Vorwurf wären, die IT werfe gerne mit Buzzwords um sich. In einer Software-zentrierten Welt hilft Observability crossfunktionalen Teams dabei, zu verstehen, was in hochverteilten Systemen gerade geschieht. Erst damit sind sie überhaupt in der Lage, konkrete Fragen zum aktuellen Geschehen zu beantworten. Überwachungsfähigkeit schafft die Grundlage, um zu begreifen, weshalb etwas langsam oder defekt ist. Darüber hinaus wird erst dann klar, was getan werden muss, um diese Mängel zu beheben und damit die Performance zu optimieren.

Da Umfang und Komplexität moderner dynamischer Cloud-Umgebungen aber kontinuierlich steigen, sind die meisten Probleme überhaupt nicht bekannt und erfasst. Mit Observability-Methoden ist es möglich, diese „großen Unbekannten“ sichtbar zu machen. Damit können neue Problemtypen nachhaltig und automatisch erfasst und beseitigt werden.

Observability ist deshalb alles andere als ein Buzzword, sondern fundamentaler Bestandteil einer jeden BizOps-Strategie. Nur wenn ich Überwachungsfähigkeit herstelle, kann ich BizOps erreichen!

Observability in 90 Sekunden erklärt

Eine kurze und knappe Erklärung von Observability liefert amasol-Vorstand Frank Jahn in der nachfolgenden Episode von BizOpsWeekly: https://youtu.be/qXVHn4in2_I

Weche Rolle KI-Technologien im Bereich Observability spielen, hat die Firma Moogsoft im E-Book „Observability with AIOps for Dummies“ zusammengestellt.

Splunk stellt seine Observability-Suite vor: „Introducing the Splunk Observability Suite | Splunk